Wo darf ich fliegen?


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fotografHabt ihr euch schon einmal gewundert, dass auf Autobahnen und anderen öffentlichen Straßen keine Modellautos fahren? Oder ist es für euch normal, das in euren Gärten und Schlafzimmern öfter einmal unbekannte Leute mit Kameras herumlaufen? Ziemlich sicher trifft nichts von all dem zu, da durch Gesetze die Sicherheit und die Privatspähre sehr genau geregelt sind. Wenn es um den Modellflug geht, gibt es anscheinend keine Regeln. Zumindest kann man dass daraus schließen, wenn man sieht, wo und wie mit Multicoptern geflogen und fotografiert oder gefilmt wird. Ist das wirklich so, dass man in der Luft quasi vogelfrei ist?

Nein, man darf auch in der Luft nicht tun und lassen was man will. tiefflugDer Luftverkehr und auch das Filmen aus der Luft und die Abbildung von Personen und deren Eigentum sind gesetzlich streng geregelt. Bei Verstößen gegen diese Gesetze könnt ihr selbst mit einem kleinen Quadrocopter aus dem Discounter Strafen von einigen Zehntausend Euro bis hin zu mehrjährige Haftstrafen bekommen.

Voraussetzungen für den Modellflug

Damit ihr mit euerem neuen Modellflieger loslegen könnt, müsst ihr Folgendes erledigt haben:

  • Ihr habt eine Flughaftpflichversicherung abgeschlossen. Wie eine KFZ-Haftpflichtversicherung ist für Modellflieger fast ausnahmslos eine Flughaftpflichversicherung Pflicht. Eure normale Haftpflichversicherung deckt das im Normalfall nicht ab.
  • Der Grundstückseigentümer, von dessen Grundstück ihr starten wollt, hat euch den Start von seinem Gelände erlaubt.
  • Ihr fliegt mit einem Elektromodell, das keine 5 kg inklusive Anbauten und Akkus wiegt. Falls nicht, habt ihr eine Aufstiegsgenehmigung, die euch für den beabsichtigten Zweck den Aufstieg erlaubt.
  • Ihr habt geprüft, dass an der Stelle wo ihr fliegen werdet, der Luftraum in Luftraumklasse G liegt. Falls ihr in eine andere Luftraumklasse fliegen wollt, habt ihr vor dem Flug ein Flugverkherskontrollfreigabe von der Flugsicherheit für genau dieses Gebiet erhalten. Es kann durchaus sein, dass selbst euer eigener Garten direkt ab dem Boden in einem Luftraum liegt, indem ihr nicht einmal starten dürft.
  • Ihr fliegt in keinem Fall innerhalb eines Radius von 1,5 km um Flugplätze. Flugplätze sind auch Segel- und Sportflugplätze aber auch Hubschrauberlandeplätze an Krankenhäusern.
  • Ihr habt geprüft, dass ihr auf keinen Fall in Sondergebieten der Klasse ED-R oder ED-D unterwegs seid.
  • Ihr habt geprüft, dass der Bereich, indem ihr fliegen wollt kein ausgewiesenes Schutzgebiet (Naturschutzgebiet, Vogelschutzgebiet, Landschaftsschutzgebiet, …) ist. Fall das nicht so ist, habt ihr sichergestellt, dass eine individuelle Regelung für das Schutzgebiet den Modellflug dort gestattet.

Falls ihr davon etwas nicht eindeutig mit Ja beantworten könnt, dürft ihr gar nicht erst starten.

Was ihr beim Fliegen beachten müsst

Wenn ihr dann in der Luft seid, müsst ihr Folgendes beachten:

  • Ihr müsst euer Fluggerät zu jedem Zeitpunkt sehen können. Das bedingt in jedem Fall, dass ihr keine Videobrille vor den Augen habt. Das Steuern eures Fluggeräts per FPV-Sicht ist nicht erlaubt, sofern nicht durch eine andere Person sichergestellt ist, dass das Fluggerät allein durch Sicht gesteuert wird (zB Lehrer-Schüler-Flug). Sehen können bedeutet, dass ihr die Ausrichtung erkennt und jederzeit sicher steuern könnt. Außerdem bedeutet das auch, das sich zwischen euch und dem Fluggerät niemals ein Hinderniss befinden darf.
  • Ihr dürft nicht beliebig hoch fliegen. Zwar gibt es keine fest definierte, maximale Höhe, aber aus verschiedenen Gründen bewegt ihr euch im gesetzwidrigen Bereich, wenn ihr über der Mindestsicherheitshöhe fliegt. Diese variiert je nach Luftraum, liegt meist aber bei 150 m.
  • In der Luft gilt für jeden die Regel see and avoid. Das heisst sehen und vermeiden und bedeutet, dass ihr die Lage in der Luft überblickt und anderen Fliegern aus dem Weg fliegen könnt und das auch tut. Basierend auf gesetzlichen Regelungen bedeutet das auch, dass euer Fluggerät von anderen Fliegern gesehen wird.
  • Ihr fliegt nicht über Menschen.
  • Ihr macht generell ohne Erlaubnis keine Fotos oder Filme von Menschen oder deren Privatgrundstücken noch den darauf befindlichen Objekten.
  • Ihr macht keine Fotos oder Videos von miltärischen oder anderen geschützten Anlagen.
  • Ihr fliegt immer angemessen und stellt sicher, dass niemals Personen gefährdert  oder Sachen beschädigt werden.
  • Ihr fliegt immer in so großem Abstand und Höhe über Privatgrundstücke, dass sich dort niemand durch das Fluggerät oder dessen Geräusche belästigt fühlt. Den Überflug über sein Grundstück kann zwar niemand verbieten, allerdings ist seine Privatsphäre auf vielerlei andere Weise geschützt, die euch genau den niedrigen Überflug verbietet.

Wie ihr heraufindet, wo welche Luftraumklassen sind, findet ihr hier. In dem Buch wird auch im Detail erklärt, was hier oben geschrieben steht, und auf welchen Gesetzen dies genau beruht. Die Schutzgebiete könnt ihr über den Kartendienst des BFN hier nachschlagen.

Es wird schnell klar, dass der Großteil der Fläche Deutschland anscheinend entweder Schutzgebiet oder kontrollierter Luftraum ist, indem nicht geflogen werden darf. In der Tat sind die Gebiete, wo legal unter Berücksichtigung aller gesetzlichen Regelungen geflogen werden darf, nicht sehr groß. Und selbst in diesen Gebieten wird dann immer noch die Erlaubnis des Grundstücksbesitzers benötigt und die Regeln oben müssen berücksichtigt werden.

Hier findet ihr Links zu den Gesetzen, die auch den Modellflug regeln:

Name Link
Luftverkehrs-Gesetz http://www.gesetze-im-internet.de/luftvg/index.html
Luftverkehrs-Ordnung http://www.gesetze-im-internet.de/luftvo/index.html
Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung http://www.gesetze-im-internet.de/luftvzo/index.html

Verstöße

justitiaIhr solltet euch gut überlegen, ob ihr Regelungen misachtet. Ihr seid schnell mit Strafen von einigen tausend Euro oder dem Einzug eures Equipments dran. Nur weil ihr mit eurem 600-mW-FPV-Sender in der Walachei fliegt, müsst ihr nicht meinen, dass das niemand merkt. Deutschland ist flächendeckend von Messstationen überzogen und die Messeinheiten lokalisieren euch schneller, als ihr den Akku abklemmen könnt. Allein die Kosten für die Messeinsätze liegen schnell bei 500-1000 Euro, da sind noch nicht einmal Bussgelder ausgesprochen.

Beim Filmen aus der Luft geht es ins Eingemachte. Wenn ihr in das Persönlichkeitsrecht eingreift oder sicherheitsrelevante Anlagen filmt, begeht ihr schnell Straftaten. Hier geht es nicht mehr um Bagatellen und ihr seid ruckzuck vorbestraft und müsst mit hohen Geld- und auch Haftstrafen rechnen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ihr das mit einem Spezial-Cinema-Videocopter oder mit einem 0815-Copter von der Stange tut. Bei Verstößen gegen das Urheberrecht könnt ihr auf Schadenersatz verklagt werden. Auch das kann schnell in die Tausende gehen.

Österreichaustria

Die Gesetzeslage in Österreich ist 2014 für den Modellflug neu geregelt worden. Die Regeln hier unterscheiden sich in einigen Teilen von denen in Deutschland. Modelle mit einem Abfluggewicht unter 25 kg dürfen nur unter 150 m über Grund und in einem Abstand von weniger als 500 m geflogen werden.

FPV ist, auch zum Steuern, ausdrücklich erlaubt, solange eine zweite Person den Flieger ständig in Sichtkontakt hat. Auch Kameras sind grundsätzlich für private Aufnahmen erlaubt. Was genau allerdings privat ist und ob beispielsweise eine Veröffentlichung auf Youtube noch privat ist, ist nicht klar.

Generell solltet ihr euch weit von Wohngebieten entfernt halten. Das überfliegen von Menschenansammlungen ist generell verboten. Und natürlich sind auch in Österreich die Luftraumklassen zu berücksichtigen. Wie auch in Deutschland darf auch dort nur mit einer ATC-Freigabe in kontrolliertem Luftraum geflogen werden.

Wer in Österreich modellfliegen will, dem ist vor allem wegen des Strafrahmens von bis zu 22.000 Euro bei Verstößen dringend angeraten, sich vorher genau zu informieren. Offiziell für den Modellflug zuständig ist der Österreichische Aero-Club.

Schweizswitzerland

Absolut vorbildlich sehe ich die Regelungen in der Schweiz. Hier wird nicht mit beamtendeutschen Formulierungen alles unverständlich und schwammig gemacht, sondern klipp und klar angesagt, was erlaubt ist.

Die Schweiz gestattet sowohl FPV als auch Kameraaufnahmen und selbst autonome Flüge, sofern bestimmte Regeln eingehalten werden. Generall muss immer in Sichtweite geflogen werden und sofern der Pilot zum Flug eine Videobrille oder einen Monitor verwendet, muss eine zweite Person mit Möglichkeit zum Eingreifen am selben Ort sein und sichtkontakt zum Fluggerät haben.

Auch hier darf generell nicht über Menschenansammlungen geflogen werden. Zu Flugplätzen ist ein Abstand von 5 km einzuhalten. Auch in der Schweiz ist eine Flughaftpflichversicherung Pflicht. Achtet darauf, dass eure Versicherung eure Flüge wirklich absichert. Oftmals sind es Kleinigkeiten, die über die Haftung entscheiden.

Die Regelungen sind kurz und knapp beim Bundesamt für Zivilluftfahrt aufgeführt.

In eigener Sache

Ich bin kein Rechtsanwalt und betreibe hier keine Rechtsberatung. Die Übersicht hier basiert auf meinem Verständnis von Gesetzen und Verordnungnen sowie Recherchen in verschiedenen Medien. Verbindlich sind für euch grundsätzlich nur die aktuellen Versionen der Gesetze und Verordnungen. Wenn ihr euch bei irgendwas unsicher seid, sucht ihr am besten Unterstützung bei einem Rechtsanwalt eines Modellflugverbands oder -verein. Bei falschen Aussagen oder Interpretationen freue ich mich über eure Hinweise.av-cr

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