Erst zuhören, dann reden! 1


ZuhörenAm 01. Januar 2015 ist die Version 1.8.1 des ETSI Standards EN 300 328 in Kraft getreten. Das ETSI, das Europäische Institut für Telekommunikationsstandards, regelt unter anderem auch die Anforderungen der Sendeanlagen im 2,4 GHz-Bereich. Aufgrund der steigenden Nutzerzahlen dieser Frequenzen wird in mehreren Schritten – weitere sind geplant – die Nutzung des Frequenzbands optimiert. Das hat Konsequenzen für alle Fernsteuerungsanlagen, die dieser Norm nicht entsprechen.

Die meisten Sender verwenden ein Verfahren, das Frequenzsprung genannt wird. Die verschiedenen Verfahren werden in diesem Buch erklärt. Beim Frequenzsprungverfahren werden verschiedene Kanäle (Frequenzen) genutzt, auf denen unterschiedliche Sender gleichzeitig senden können. Damit nicht zwei Sender immer den gleichen Kanal verwenden – diese können nicht ohne weiteres wissen, dass das der Fall ist – springen die Sender permanent zwischen allen Frequenzen hin und her. So reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, dass gleichzeitig auf demselben Kanal gesendet wird. Allerdings kommt es trotzdem regelmäßig zu Kollisionen, die dazu führen, dass die gesendeten Daten zumindest einer Fernsteuerung nicht zum Ziel gelangen. Da die Daten sehr häufig gesendet werden, macht sich das kaum bemerkbar. Außerdem wird das Frequenzsprungverfahren mit weiteren kombiniert beispielsweise der Frequenzspreizung.

Das ETSI schreibt nun ab dem 01.01.2015 vor, dass das Frequenzsprungverfahren weitere Anforderungen erfüllen muss. Sofern euer Englisch gut genug ist, könnt ihr die genauen Anforderungen in diesem Dokument in Abschnitt 4.3 nachlesen. Es wird nun ein neues, zusätzliche Verfahren notwendig, dass Listen Before Talk (LBT) genannt wird. Grob erklärt bedeutet das einfach, dass nach dem Frequenzsprung zum nächsten Kanal nicht einfach gesendet, sondern erst geprüft wird, ob auf diesem bereits gesendet wird. Ist dass der Fall (es muss lediglich ein bestimmter Signalpegel anliegen und nicht etwa verstanden werden, was dort gesendet wird), wird dieser Kanal als belegt erklärt und zum nächsten gesprungen. Das reduziert die Anzahl der Kollisionen deutlich, aber nicht völlig.

Wen betreffen die Änderungen?

Genau hier gibt es bei vielen Unsicherheiten. Muss ich meine Fernsteuerung nun stilllegen und eine neue kaufen? Nein, müsst ihr devinitiv nicht. Bestehende 2,4 GHz-Sender können uneingeschränkt weiter verwendet werden. Bereits im Handel befindliche 2,4 GHz-Sender können weiter verkauft werden. EN 300 328 bezieht sich einstweilen nur auf Geräte, die ab dem 01.01.2015 hergestellt wurden. Da dies nur Sendverfahren betrifft, hat diese Regelung keine Auswirkungen auf Empfänger. Manche Empfänger haben einen Rückkanal für Telemetrie. Sofern dieser Rückkanal im selben Frequenzband sendet, betrifft die Regelung auch solche Empfänger, die ab dem 01.01.2015 gebaut wurden. Also im Klartext: Mit vorhandenen Anlagen müsst ihr gar nichts beachten. Es ist nicht auszuschließen, dass in den kommenden Version von EN 300 328, die bereits in Arbeit sind, diese Anforderungen für alle Anlagen verbindlich werden.

Aber es gibt auch Lichtblicke seitens der Hersteller. Einige Hersteller wie Jeti und Futaba haben bereits Firmware-Updates parat, die diese Verfahren in die bestehenden Anlagen bringen beispielsweise tut dies die Version 5 für die Futaba T14SG. Bei diesen Updates müsst ihr gut aufpassen. Innerhalb der Geräte desselben Herstellers (Sender, Empfänger und Zubehör) ist recht sicher, dass diese weiter zusammen funktionierten. Bei Fremdhersteller-Empfängern finden sich öfter Meldungen, dass diese nach dem Update für das LBT-Verfahren ihren Dienst versagen. Prüft also in jedem Fall vor einem Flug ausgiebig, ob die Signalübertragung noch sauber funktioniert.

Worauf muss ich achten?

Beachten müsst ihr vor allem beim Neukauf, dass die Fernsteuerung die neue Norm erfüllt. Bei Funkanlagen jeglicher Art muss ein Konformitätsnachweis beiligen. Aus diesem ist zu erkennen, ob die neue Norm erfüllt ist. Ist das nicht der Fall, lasst euch vom Hersteller (nicht vom Händler, der vielleicht alte Lagerware noch loswerden möchte) versichern, dass die neue Norm vollständig unterstützt wird.


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